Bürgerverein Altmoorhausen - Hemmelsberg

 

Die Geschichte des Dorfes Altmoorhausen


 
Um 1650 - 1750

Der erste Hof in Altmoorhausen wird 1657 erstmalig erwähnt. Bis 1764 werden 11 weitere Höfe gegründet. Diese ursprünglichen 12 Höfe sind, bis auf einen, heute noch vorhanden. Sie werden überwiegend von nicht erbberechtigten Söhnen der benachbarten Dörfer Lintel und Hurrel gegründet. Diese beantragen bei der Obrigkeit die Zuweisung eines kleinen Landstückes, damals Placken genannt, den sie dann unter Auflagen zugewiesen bekommen. Da dieser Placken in der Regel außerhalb des Dorfes auf dem sogenannten Brink liegt, werden sie allgemein als Brinksitzer bezeichnet. Aber auch von Heuerlingen, damals als „Beysitter“ bezeichnet, gehen einige Hofgründungen aus. 
 

Diese Brinksitzer sind nicht weideberechtigt, das heißt ihr Vieh darf nicht, wie das der vorhergehenden Siedlergenerationen, auf dem der Allgemeinheit gehörenden unkultivierten Land weiden. Die Haltung von Großvieh ist daher nicht möglich, Steuern und Dienstleistungen für die Obrigkeit müssen sie aber ebenfalls erbringen. Sie sind deshalb vielfach auf einen Nebenverdienst durch die Ausübung eines Handwerks angewiesen. So ist das erste Haus, das sie bauen können, häufig nur eine Hütte oder ein Erdhaus.

Während dieser Zeit hat die Regierung der Grafschaft Oldenburg bereits begonnen, Teile des bis dahin von der Allgemeinheit genutzten, nicht kultivierten Landes zu vermessen und an die Bauleute, Köter und Brinksitzer zu verteilen. Der verbleibende Rest wird Siedlungswilligen (auch Anbauer genannt) auf Antrag zugeteilt.

1750 - 1850                                                                                        

       

 Nach einer Pause von 30 Jahren entstehen ab 1795 bis 1823 im Gebiet des heutigen Altmoorhausen 9 Anbauerstellen, deren Gründer bzw. Käufer aus dem weiteren Umland stammen. Unter ihnen sind aus dem „Hannöverschen“ Jost Hinrich Köhrmann aus Südwohlde, Hinrich Lindloge aus Menninghausen bei Südwohlde und Johann Howe aus der Stadt Hannover. Andere kommen aus Edewecht, Wüsting und der Gemeinde Ganderkesee. In dieser Zeit entsteht auch das heutige Hemmelsberg, das aber noch zu Moorhausen gehört. Am Ende dieses Zeitabschnitts steht 1823 die Gründung einer Schule.

 
Die Anfänge waren für die Anbauer ebenso schwer, obwohl zu dieser Zeit keine Dienstleistungen mehr zu erbringen sind. Ruhr und Tuberkulose, auch Schwindsucht oder Brustkrankheit genannt, und „hitziges Fieber“ als häufige Todesursache, sowie die hohe Kindersterblichkeit deuten auf die ungünstigen Lebensbedingungen. Außer einer Hebamme in Lintel, gibt es keine medizinische Versorgung für die ländliche Bevölkerung.

 
Das Leben in Moorhausen ist hart. Als „Hollandgänger“ und Seefahrer sind die Männer während der Saison unterwegs, Frau und Kinder und sicher auch die Alten versorgen die Landstelle. In einer Stellungnahme, die Neugründung der Schule betreffend, heißt es 1837 wörtlich:„Bei der wirklich völligen Mittellosigkeit dieser, nur aus Brinksitzern, welche sich von dem Ertrage eines dürftigen Bodens, und vom Tagelohne im In- und Auslande, kärglich ernähren, - bestehenden Dorfschaft...“

 

Auf einem Stück Land, rund ums Haus gelegen, auch „Kohlhoff“ genannt, wird Gemüse für den Eigenbedarf gepflanzt. Selten mehr als eine Kuh, vielleicht ein oder zwei Schweine und ein paar Hühner werden gehalten; auf dem kargen Ackerland werden Roggen und Buchweizen angebaut. Sofern Heideflächen zur Verfügung stehen, hält man auch Schafe. Alles Lebensnotwendige muss selbst erzeugt werden. Selten geschieht dies jedoch in ausreichender Menge; in den Wintermonaten beherrscht nicht selten der Hunger den Alltag.


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1850 - 1950

      


Der Bau der „Bremer Chaussee“(1820) und die Eröffnung der Eisenbahnlinie Oldenburg-Bremen (1867) haben sicherlich dazu beigetragen, die Situation der ländlichen Bevölkerung allmählich zu verbessern.

 
1844, 54, 66 und 79 werden fünf Landstellen gegründet, eine im Tiefengrund, zwei an der Linteler Straße; am Schweersweg und an der Bremer Straße entsteht jeweils eine Stelle. Die Neugründung an der Bremer Straße wird bereits 1881 durch den Bau einer Schmiede-Werkstatt erweitert. Während bisher das Handwerk, wie Schuhmacherei und Schneiderei, wohl mehr eine nebenberufliche Rolle spielt, wird es jetzt auch schon mal zum Haupterwerbszweig und die Landwirtschaft zum Nebenerwerb.

 
Die Mitte des 19. Jahrhunderts ist aber auch die Zeit, in der die Bevölkerung stark zunimmt. Da das Land bereits verteilt ist, muss die nachwachsende Generation ihr Auskommen woanders finden. Wie oben bereits erwähnt, sind die Moorhauser Höfe verhältnismäßig klein; der Torfabbau und -verkauf ist eine der wichtigsten Einkommensquellen für die Bauern. Es gibt zwar einige Heuerhäuser, in denen Landarbeiterfamilien untergebracht sind, ihren Lebensunterhalt verdienen die Heuerleute allerdings hauptsächlich außerhalb des Dorfes.

Nach wie vor ist die Saisonarbeit in Holland und in der Schifffahrt ein wichtiges Zubrot. Aber auch die gegen Ende des Jahrhunderts stetig zunehmende Ansiedlung von Industrie in der näheren Umgebung bietet den hiesigen Männern Arbeitsplätze in Hude, Oldenburg und Delmenhorst. Ziegeleiarbeiter, Chausseewärter und Maschinenputzer werden als Berufe genannt. Wie aus allen Dörfern der Region wandern auch aus Moorhausen einige Familien um 1870 nach Amerika aus.

 
Im Jahre 1872 spielt sich in Moorhausen (einschließlich Hemmelsberg) eine Tragödie ab. Es sterben 33 Einwohner; davon sind 18 Kinder unter 10 Jahre alt. Sie sterben fast ausschließlich an der Ruhr, wenige Erwachsene an Altersschwäche. Unter ihnen ist auch der 1871 eingesetzte Lehrer Johann Bernhard Christian Oxen, des-sen Kinder im August 1- und 7-jährig sterben; er selbst stirbt im September 1872 im Alter von 40 Jahren.

 
Am Anfang des 20. Jahrhundert geht es recht lebhaft zu in Moorhausen. In regelmäßigen Abständen von wenigen Jahren kommen eine Kolonialwarenhandlung, eine Gaststätte, mehrere Landstellen, Wohnhäuser, ein Maler, ein Elektriker und eine Kraftfahrzeug-Reparaturwerkstatt hinzu. Insgesamt 17 Häuser entstehen bis 1937.

 
Allgemein geht es der landwirtschaftlichen Bevölkerung zunehmend besser, da sich mit Einführung des Kunstdüngers die Ernteerträge allmählich verbessern. Verschiedene Genossenschaften und eine Molkerei werden gegründet. Sogenannte Winterschulen übernehmen die Ausbildung des Landwirts und Maschinen erleichtern seine Arbeit. Das gesellschaftliche Leben im Dorf gewinnt an Bedeutung. Turn-, Radfahr-, Schützen und Gesangvereine werden gegründet. Nicht zu vergessen sei die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, die bis heute eine wichtige Rolle im Dorfleben inne hat.

Das Aussehen des Dorfes verändert sich allmählich. Das Fachwerk ist fast ganz verschwunden und das offene Herdfeuer von der Diele verbannt. Um 1920 bekommt das Dorf elektrischen Strom. Fahrräder stehen bald in jedem Haus und seit 1925 fährt das Postauto zweimal wöchentlich nach Oldenburg. Bei Breas wird die Poststelle eingerichtet. Einige Altmoorhauser sind sogar Besitzer von Motorrädern und auch das erste Auto wird angeschafft. 1930 wird Moorhausen zu Altmoorhausen und Hemmelsberg.


Nach der Gründung einer zweiten Schule in Moorhausen (1913) - die Kinderschar hat erheblich zugenommen - bürgert sich die Unterscheidung der Bezirke in Alt- und Neumoorhausen ein. Auf Antrag der Bewohner Neumoorhausens wird dieser Teil 1930 offiziell in Hemmelsberg umgenannt. Der ältere Teil behält die Bezeichnung Altmoorhausen; die nachfolgende Hof- und Gebäudebeschreibung bezieht sich auf die im heutigen Altmoorhausen belegenen Anwesen.

       

1939 beginnt der Zweite Weltkrieg und damit herrscht wieder Notzeit; Luftangriffe folgen und 1945 werden durch die Kampfhandlungen mehrere Häuser in Altmoorhausen zerstört oder beschädigt. Besatzung und englische Militärverwaltung müssen hingenommen werden. Nachrichten von gefallenen und vermissten Söhnen erreichen das Dorf. Dazu werden zahlreiche Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten aufgenommen. Mit der Währungsreform 1948 beginnt sich auch Altmoorhausen allmählich wieder zu erholen; im gleichen Jahr wird das erste Einfamilienhaus nach dem Krieg erbaut.


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1950 bis heute

     

 Auch die landwirtschaftlichen Betriebe profitieren vom allgemeinen Wirtschaftswachstum. Probleme mit der einsetzenden Landflucht zwingen jedoch zu mehr Technisierung, diese wiederum zur Ver-größerung der Höfe. Und so kommt es zum sog. Höfesterben. Auch unser Dorf bleibt davon nicht verschont. Höfe werden immer häu-figer im Nebenerwerb betrieben. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe geht von 23 im Jahre 1960 auf heute 4 Vollerwerbs- und 7 Nebenerwebsbetriebe zurück. Für fast jeden Jugendlichen sind die Berufsausbildung und der Arbeitsplatz außerhalb des Dorfes das Ziel. Gebaut wird im Dorf weiterhin, zu Anfang einige Wohn- und Geschäftshäuser, später dann überwiegend Wohn-, bzw. Altenteilerhäuser. So wird von 1950 bis heute durchschnittlich jedes Jahr ein Haus gebaut.


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Um 2000                     

                     

 
Wohnen im Dorf wird immer attraktiver.

Der einsetzende Strukturwandel führt u.a. zu gesetzlichen Änderungen von Bauordnungen und macht damit die sog. Lückenbebauung und die gewerbliche Nutzung von ehemaligen Hofstellen im Dorf möglich. So ist es heute möglich, dass sich junge Familien innerhalb Altmoorhausens eine eigene Existenz aufbauen können; sei es, dass sie sich hier selbständig machen oder ihr eigenes Zuhause schaffen.

 
Die Schaffung eines Gewebegebietes in Altmoorhausen erfolgte ebenfalls im Zuge des Strukturwandels. 1996 beschloss der Rat der Gemeinde Hude ein Gewerbegebiet in Altmoorhausen auszuweisen, das später noch um ein Industriegebiet und ein weiteres Gewerbe-Areal erweitert wurde. Dieses Gebiet, strategisch günstig zwischen Bremen und Oldenburg gelegen, etwas abseits vom Dorfkern, ist bequem von der Autobahn A 28 zu erreichen. Hier ist ein optimaler Branchenmix entstanden, denn neben einigen Existenzgründern haben sich etablierte und renommierte Unternehmen angesiedelt.

 
Die Zahl der Einwohner Altmoorhausens ist von etwa 260 in den 1960er Jahren auf 329 (Stand 2007) gestiegen. Die Anzahl der Gewerbebetriebe beträgt inzwischen 60.

(Quelle: Festschrift zur 350 Jahrfeier von Erika Burhop)